Gefangen in der Zukunft

Jugendarbeitslosigkeit hier, Überfluss an Möglichkeiten dort. Das Leben eines jungen  Menschen heutzutage hat es schon in sich. Und dank verschiedener sozialer Interaktionen in den sozialen Wirren des Internets, Beruf, Uni und Freizeit gilt es nicht nur eine, sondern alle seine Identitäten ständig neu zu formieren und auszurichten. Da kann die Gegenwart schon einmal etwas in Mitleidenschaft gezogen werden.

Anstatt das Hier und Jetzt unbeschwert in vollen Zügen zu genießen, wird gedanklich in der Zukunft gelebt. Der nächste Schritt muss immer geplant werden. Es braucht Vorlaufzeit, um mögliche Alternativen zu sondieren und das Nötige in die Wege zu leiten. Spaß und Ausgelassenheit sind geplante Abschnitte. Dabei laufen wir Gefahr, uns in einem Übergangsleben zu verirren. Ständig das Nächste im Blick, eine Übergangszeit folgt der anderen. Was bleibt ist ein Anfang und ein Ende. Das Eigentliche, die Mitte, wurde übersprungen.

Wir müssen einen Weg finden, die uns gegebenen Chancen als solche zu nehmen und davon zu profitieren, anstatt uns zu Geiseln einer möglichen Zukunft zu machen. Das Leben spielt sich heute ab. Und das ist gut so. Dass einen schwelgerische Tagträume ab und an in die Weiten des Lebens tragen, gehört als nette Praline natürlich genauso in die Schachtel.

Darwin läutet das Ende der Menschheit ein

Ein Freund hat mich letztens bei einem guten Glas auf diesen doch etwas erschreckenden und zugleich interessanten Gedankengang gebracht (Thanks David!). Der geht so:

Seit Jahrtausenden gilt in der Natur das Gesetz des Stärkeren und Klügeren. Nur jene können überleben. Das hat nicht zuletzt Darwin uns gezeigt und gilt für die meisten Lebewesen nach wie vor. Nur der Mensch ist gewillt dem zu entgehen. Durch die Entwicklung der modernen Medizin und Unterstützung durch die Technik muss heutzutage kaum noch ein Mensch wegen einer Behinderung, einer Krankheit oder einfach wegen seiner mäßigen Intelligenz oder Stärke sterben (ich vereinfache hier bewusst, möchte aber keineswegs außer Acht lassen, dass die Realität leider oftmals das Gegenteil beweist). Diese Entwicklung hat dazu geführt, dass wir Darwins Gesetzt außer Kraft gesetzt haben und über Generationen hinweg, die Gene der Dummen, Schwachen und Kranken reproduzieren. Das war Beobachtung Nummer eins.

Beobachtung Nummer zwei. Sozialwissenschaftliche Studien belegen schon seit langem, dass klassenloses Leben eine Mär ist. Lebensqualität, Bildung, Gesundheit, Möglichkeiten zur Lebensgestaltung hängen nach wie vor immens vom Elternhaus ab. Hinzu kommt: das verändert sich kaum. Denn klassenübergreifende Heiraten sind äußerst selten. So bleibt jeder unter sich.

Führt man nun diese zwei Beobachtungen zusammen, lässt sich ableiten, dass sich zwar die „schlechten“ Gene weiter reproduzieren, nicht aber vermischen. Denn eine These wäre, die klassenübergreifende Heirat lässt sich analog auf ähnliche Gene übertragen. Das hieße, gesunde und intelligente Menschen neigen dazu andere gesunde und intelligente Menschen zu heiraten und Nachwuchs zu zeugen. Das bedeutet aber auch, dass die „schlechten“ Gene sich mit den anderen schlechten vermischen. Dies würde auf lange Sicht dazu führen, dass es einen Teil von Menschen gibt, die nach Darwins Lehre nur die besten Gene vereinen, und einen anderen Teil, der – salopp gesagt – die Resterampe spielt. Was geschieht mit diesen Menschen? Sind sie auf lange Sicht noch überlebensfähig? Oder werden sie auf eine Insel gesteckt? Australien vielleicht? Genug Platz und kaum eine Möglichkeit zu entkommen. Eine erschreckende Vorstellung eines menschlichen Endlagers.

Aber selbst wenn die Annahme, die guten Gene bleiben unter sich, nicht stimmt, hat das katastrophale Auswirkungen. Das bedeutet nämlich, dass wir uns kontinuierlich dem biologischen Fortschritt verweigern. Anstatt wie vorgesehen, das Beste zu vereinigen und so die Spezies weiterzuentwickeln, blieben wir auf dem Status quo. Unsere Umwelt hingegen entwickelt sich rasant weiter. Das würde uns vollständig abhängig machen von der Technologie.

Keine dieser Varianten ist besonders wünschenswert. Habe ich also einen Fehler in meinen Prämissen?

Mona Lisa 2.0

Bücher werden auf dem Computer geschrieben, im Internet vertrieben und auf dem digitalen Lesegerät genossen. Musik wird elektronisch produziert und konsumiert. Ein Großteil der Fotos sieht nie das Gesicht der Welt auf blankem Papier. Durch Geräte wie das iPad wird Kunst digitalisiert – und zwar überall und von der Produktion bis zum Konsum. Nur eines ist bisher noch kaum denkbar: das digitale Gemälde. Die Museen sind voll berühmter Gemälde, Kunstsammler auf der ganzen Welt sind nach wie vor bereit Unsummen für diese Kunstwerke auszugeben. Doch wann wird es üblich, dass ein Gemälde am Computer produziert und am Bildschirm konsumiert wird? Wird das je geschehen? Ist das wünschenswert? Wo hört es auf, Kunst zu sein? Wird es einen Leonardo Da Vinci 2.0 geben, der ausschließlich Gemälde für die digitale Welt produziert hat und nach seinem Tod eine ähnliche Berühmtheit und Faszination erlangt? Können diese Werke überhaupt einen ähnlich tiefgründigen Effekt erzielen? Ich warte auf eure Anregungen!

Wenn der Wecker weiß, wann ich aufstehen muss …

  • es wird Stau geben auf dem Weg zur Arbeit
  • das Meeting am Morgen verschiebt sich nach Vorne
  • mein Wecker erhält diese Informationen und stellt sich entsprechend neu ein
  • meine Jalousien werden auch entsprechend früher hochfahren
  • die Heizung im Bad läuft sich schon einmal warm
  • Kaffeemaschine und Toaster justieren ihre Timer neu
  • der Wecker klingelt pünktlich, die Jalousien fahren hoch
  • Badezimmer und Duschwasser sind meinem Profil entsprechend schon temperiert
  • ich greife ein Hemd aus meinem Schrank und erhalte auf dem Spiegel die Empfehlung zu passender Hose, Krawatte und Jacke
  • in der Küche erwarten mich auf den Punkt geröstete Toasts und duftender Kaffee
  • mein iPad stellt mir die morgendliche Zeitung aus meinen favorisierten Zeitungen und Bereichen zusammen
  • ich entscheide mich wegen des sonnigen Morgens am Frühstückstisch für ein Cabrio
  • ich verlasse das Haus, welches sich in einen Stand-by Modus begibt, Sicherheitssysteme aktiviert und die Sonnenaufheizung zur Stromerzeugung nutzt; eine Klimaanalge brauche ich danke intelligenter Architektur nicht mehr, zudem sind alle Materialien recyclebar
  • das nächste verfügbare Cabrio steht um die Ecke
  • beim Einsteigen konfiguriert sich der Bordcomputer automatisch, stellt Sitze und Klimaanlage meinen Vorlieben entsprechend ein und läd mir meine Termine auf die Windschutzscheibe
  • das Navi startet, liest aus aktuellen Verkehrsinformationen, die aus einem Mix aus Handyortung, Kamera- und Induktionsleitsystemen besteht, und leitet mich die optimale Route; Maut bezahle ich nur für die gefahrene Strecke
  • auf der Arbeit klinke ich mein iPad an den nächsten freien Platz ein und fange an zu arbeiten
  • während der Arbeit klingelt der Postbote, ich bekomme ihn auf mein Smartphone per Video übertragen und bitte ihn, das Paket hinter die Tür zu legen, die ich ihm dafür kurzzeitig öffne
  • auf dem Rückweg möchte ich gerne noch ein Buch auf meinem iPad lesen, deswegen gebe ich das Cabrio wieder frei, suche spontant nach einer Mitfahrt zum Bahnhof und fahre dort mit dem Öffentlichen weiter; um die Bezahlung muss ich mir keine Gedanken machen, die läuft automatisch über Near Field Communications (NFC)
  • zuhause ist der Kühlschrank aufgefüllt wie immer, bestellen tut er nämlich selbstständig; morgen erwarte ich jedoch Gäste, da sag ich ihm, was ich kochen möchte und er besorgt es in der benötigten Menge; sein Inventar prüft er mittels RFID
  • meine gesamte Musik kann ich überall abspielen lassen – auf jedem Computer, Mobile Device und in jedem Raum; Festplatten gibt es nämlich bei mir keine mehr, alle Daten sind ins Netz ausgelagert; Musik und Filme bezahle ich nur auf Abruf
  • Abends gehe ich eine Runde laufen, meine Leistungswerte werden direkt an meinen Computer zuhause übermittelt, so kann ich meinen Trainingsfortschritt jederzeit überprüfen
  • die Daten kann ich mit meiner Krankenakte, die auch Online ist, verknüpfen; so kann jeder Arzt, den ich dafür freigebe, darauf zugreifen
  • Gleichzeitig kann ich alle Daten mit den Daten tausend anderer abgleichen und so meinen optimalen Trainingsplan generieren lassen
  • ich sehe einen interessanten Vogel auf dem Baum sitzen, schnell die Handykamera angemacht und den Vogel ins Visier genommen, daneben tauchen alle Informationen, die ich wissen muss, auf
  • zuhause lege ich mich entspannt in mein Bett, schließlich muss ich mich um nichts kümmern