Bildung heißt nicht Ausbildung!

In Anlehnung an die Debatte in DIE ZEIT Mitte vergangen Jahres angestoßen durch die Politikdozentin Christiane Florin, die sich über die wassernuckelnden Studenten echauffierte und die Gegenmeinung des ehemaligen Studenten Julian Kirchherr, der kurzerhand sagte: „Politikwissenschaft ist Mist!“, möchte ich nun noch meinen Senf zu diesem Thema dazugeben.

Wenn ich sage „Bildung heißt nicht Ausbildung“ möchte ich nicht etwa die Ausbildung schlechter stellen. Ich möchte lediglich darauf hinweisen, dass es einen Unterschied zwischen Hochschulbildung und einer beruflichen Ausbildung gibt und sich sowohl die Studierenden als auch die Dozenten dessen bewusst sein sollten.

Ein Studium soll nicht dazu dienen, vorgefertigte Abläufe abspulen zu können. Es geht nicht darum zu lernen, wie ein Formular ausgefüllt werden muss, noch geht es darum zu lernen, wie eine Buchung im System funktioniert. Bildung hat einen tieferen Charakter.

Es geht natürlich auch darum grundlegendes und fachspezifisches Wissen zu vermitteln. Aber es geht eben auch um die Reflexion und Analyse und Abstraktion. An erster Stelle soll ein Studium abstraktes Denken lehren, lehren sich in komplexe Sachverhalte einzuarbeiten, geschichtliche und kontextuelle Einordnungen von Texten und Schriften zu vollbringen. Ein Studium lehrt eine gewisse Art des Denkens.

An zweiter Stelle steht dann die Vermittlung des fachlichen Wissens, das mindestens genauso wichtig ist. Aber auch hier ist eine abstrakte Ebene gefragt. Konkretes Wissen, wie bestimmte Sachen in bestimmten Bereichen funktionieren, können das gerne komplettieren, sollten aber nie der Fokus sein. Dafür ist das schöne „Training on the job“ zuständig – und es funktioniert wunderbar.

Theorie und Praxis sind per se zwei unterschiedliche Dinge. Die Theorie bildet oftmals, wenn auch auf sehr subtile Weise, die Grundlage für die Praxis. Und vielfach reiben sich Theorie und Praxis aneinander und es entstehen fruchtbare Ergebnisse und Erkenntnisse. Hochschulbildung aber mit praktischer Ausbildung gleichzusetzen ist schlichtweg falsch.

Ich möchte auch mit einem zweiten Irrglauben aufräumen: Studiengänge müssen nicht zwangsläufig für einen bestimmten Beruf ausgerichtet sein. Was bei Medizinern und Juristen sicherlich nur eingeschränkt gilt, wird gerade bei den Geisteswissenschaften sehr deutlich. Die Karrierewege sind sehr verschieden und auf fachliches Wissen aus dem Studium kommt es mitunter nur selten an. Wohl aber auf die Methodik und Denkweise. In der Hinsicht sind uns die angelsächsischen Länder teilweise voraus. Dort kann ein Biologe problemlos in einer Bank arbeiten – ohne schief angeschaut zu werden.

Und bevor mich jemand falsch versteht. Natürlich gibt es auch viele gebildete Menschen, die nie studiert haben. Und das ist der Beweis zugleich. Denn es kommt auf eine Einstellung, eine Neugierde und Denkweise an, sich mit Dingen zu beschäftigen und wie man an sie herangeht. Das Studium sollte solche Werte und Eigenschaften vermitteln. Eine Berufsausbildung hingegen hat das Ziel auf ein konkretes Berufsbild ganz praktisch vorzubereiten. Diese Unterscheidung ist gut und wichtig. Und die Universitäten und Studenten sollten aufpassen, dass diese weiterhin gewahrt bleibt!

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Biete Master-Studium zum Verkauf!

Es geht um Zahlen. Kosten werden Gehalt gegenübergestellt. Finanzierungsmodelle diskutiert. Rankings als Qualitäts- und Differenzierungskriterien angeführt. Nein, es geht nicht um den Kauf einer Versicherung. Es geht im Allgemeinen um nichts tangibles. Die Flohmarkt und Basar-Stimmung täuscht – wir befinden uns auf einer Messe für Masterstudiengänge.

Mich beschleicht das unheimliche Gefühl, dass es gar nicht um mich geht. Nicht einmal um die Studenten allgemein. Und um das Studium nur am Rande. Die Namen der Universitäten nehmen immer neue Züge von Skurrilität an. Hochschulneugründungen scheint ein übersehener Trend zu sein. So tingeln die angehenden Master-Studenten von Stand zu Stand und lassen sich berieseln – mal interessiert, mal weniger. Die Zahl der privaten Hochschulen ist überwältigend. Immerhin finden sich ab und an ein paar Exoten zwischen den Ständen wieder: die öffentlichen Universitäten. Wie Stätten der Ruhe und Beständigkeit dienen die Gespräch dort zum Auftanken. Teure Bewerbungsverfahren? Aufwändige Tests? Hohe Studiengebühren? Fehlanzeige.
Ich möchte nun aber weder auf die Unterschiede privater und öffentlicher Universitäten, noch auf den aktuellen Streit, ob Studiengebühren gerecht sind, eingehen. Aber ein paar Beobachtungen möchte ich gerne teilen.

Warum argumentiert eine Business School mit ihrem „Return-on-Investment„? Die Studiengebühren sind zwar exorbitant hoch, aber da alle Studenten nachher Investmentbanker werden, muss man sich darüber keine Gedanken machen. Sollten nicht die Inhalte des Studiums im Vordergrund stehen? Oder geht es beim Studieren tatsächlich nur noch darum, sich Kontakte in der Wirtschaft zu erkaufen?

Warum möchte mir eine andere Hochschule ihr Studium schmackhaft machen, indem sie auf die vergleichsweise niedrigen Studiengebühren verweist? Wird dadurch das mangelnde Niveau ausgeglichen?

Warum stehen überhaupt Mitarbeiter der Universitäten an den Ständen, wenn deren einzige Kompetenz darin besteht, mir eine Broschüre in die Hand zu drücken und bei weiteren Nachfragen auf die Homepage verweist?

Eine letzte Anekdote dialogisch erzählt:
Ich: Der Master in Management der WHU steht ja bekanntlich eher für die klassische Mangagement-Ausbildung. Gibt es denn eine Möglichkeit, interdisziplinäre Aspekte in das Studium zu integrieren?
Mitarbeiterin der WHU: Natürlich, da empfehle ich Ihnen den Master in Finance …