Biete Master-Studium zum Verkauf!

Es geht um Zahlen. Kosten werden Gehalt gegenübergestellt. Finanzierungsmodelle diskutiert. Rankings als Qualitäts- und Differenzierungskriterien angeführt. Nein, es geht nicht um den Kauf einer Versicherung. Es geht im Allgemeinen um nichts tangibles. Die Flohmarkt und Basar-Stimmung täuscht – wir befinden uns auf einer Messe für Masterstudiengänge.

Mich beschleicht das unheimliche Gefühl, dass es gar nicht um mich geht. Nicht einmal um die Studenten allgemein. Und um das Studium nur am Rande. Die Namen der Universitäten nehmen immer neue Züge von Skurrilität an. Hochschulneugründungen scheint ein übersehener Trend zu sein. So tingeln die angehenden Master-Studenten von Stand zu Stand und lassen sich berieseln – mal interessiert, mal weniger. Die Zahl der privaten Hochschulen ist überwältigend. Immerhin finden sich ab und an ein paar Exoten zwischen den Ständen wieder: die öffentlichen Universitäten. Wie Stätten der Ruhe und Beständigkeit dienen die Gespräch dort zum Auftanken. Teure Bewerbungsverfahren? Aufwändige Tests? Hohe Studiengebühren? Fehlanzeige.
Ich möchte nun aber weder auf die Unterschiede privater und öffentlicher Universitäten, noch auf den aktuellen Streit, ob Studiengebühren gerecht sind, eingehen. Aber ein paar Beobachtungen möchte ich gerne teilen.

Warum argumentiert eine Business School mit ihrem „Return-on-Investment„? Die Studiengebühren sind zwar exorbitant hoch, aber da alle Studenten nachher Investmentbanker werden, muss man sich darüber keine Gedanken machen. Sollten nicht die Inhalte des Studiums im Vordergrund stehen? Oder geht es beim Studieren tatsächlich nur noch darum, sich Kontakte in der Wirtschaft zu erkaufen?

Warum möchte mir eine andere Hochschule ihr Studium schmackhaft machen, indem sie auf die vergleichsweise niedrigen Studiengebühren verweist? Wird dadurch das mangelnde Niveau ausgeglichen?

Warum stehen überhaupt Mitarbeiter der Universitäten an den Ständen, wenn deren einzige Kompetenz darin besteht, mir eine Broschüre in die Hand zu drücken und bei weiteren Nachfragen auf die Homepage verweist?

Eine letzte Anekdote dialogisch erzählt:
Ich: Der Master in Management der WHU steht ja bekanntlich eher für die klassische Mangagement-Ausbildung. Gibt es denn eine Möglichkeit, interdisziplinäre Aspekte in das Studium zu integrieren?
Mitarbeiterin der WHU: Natürlich, da empfehle ich Ihnen den Master in Finance …