Plädoyer für den Sonntagsbraten!

Um es gleich vorweg zu nehmen: Nein, ich möchte nicht wortwörtlich zurück zum Sonntagsbraten, und Nein, ich möchte auch nicht die Fleischküche proklamieren. Im Gegenteil.

Wir können zwei Tendenzen in Deutschland erkennen. Erstens ist Essen in keinem Industrieland so günstig wie hier und die Deutschen lieben die Schnäppchenjagd und den Preisgeiz auch und vor allem bei Lebensmitteln. Zweitens wurde vermutlich noch nie so viel und so oft Fleisch gegessen wie heute.

Natürlich kann man das gutheißen. Schließlich bedeutet das, auch einkommensschwache Familien kommen in den Genuss zahlreicher Lebensmittel. Eine große Auswahl zum kleinen Preis bieten längst nicht nur die Discounter. Von Nahrungsengpässen wie es sie in Deutschland während und nach der Kriege gegen hat, sind wir weit entfernt. Das ist auch gut so. Auch der starke Wettbewerb des oligopolisch geprägten Lebensmittelhandels kommt dem Verbraucher letztlich zugute. Aber viele Leute haben den Sinn für gutes Essen verloren.

Ich rede dabei nicht einmal über die häufige Verwendung von Fertiggerichten oder der Besuch beim Fast Food-Restaurant um die Ecke. Mir geht es darum, dass vielen Deutschen das Essen wortwörtlich nichts mehr WERT ist. Je günstiger desto besser, lautet die Maxime. Statt Qualität zählt Preis. Dabei geht nicht nur der gute Geschmack verloren (und das allein wäre schon Grund genug). Nein, Essen ist das Benzin unseres Körpers. Ich benutze bewusst dieses Bild, denn wenn es um’s Auto fahren geht, ist der Deutsche gemeinhin schmerzfrei – oder sehr preisunelastisch wie der Ökonom sagen würde. Aber für Milch einen Euro auszugeben, schönes Gemüse vom heimischen Bauern, Geld in ordentliches Rindfleisch zu investieren – das scheint nicht drin zu sein. Dagegen dreht sich die Spirale, dass jedes Lebensmittel rund um’s Jahr zu sinkenden Preisen zur Verfügung stehen muss.

Jetzt werden viele rufen: Aber das kann sich doch niemand leisten! Ich bin armer Student/alleinerziehende Mutter/Rentner/McDonald’s Dauergast!! Da kommt der Sonntagsbraten ins Spiel. Muss ich denn wirklich jeden Tag Fleisch essen? Wie wäre es, wenn nur noch 1-2 Mal die Woche Fleisch in die Pfanne kommt … und dafür zur Abwechslung mal ein richtig Gutes. Das hat den netten Nebeneffekt, dass diese Ernährung höchstwahrscheinlich auch noch gesünder wäre. Ganz zu schweigen von der ethischen Verantwortung den Schwellen- und Entwicklungsländern gegenüber und der Umwelt und den Tieren zuliebe. Statt die ganze Woche Diesel in sich reinpumpen, lieber die Woche über umweltverträgliche Alternativen und am Wochenende dann mit Super-V Gas geben. Oder am Montag. Oder am Dienstag. Das sei natürlich jedem selbst überlassen.

Sowieso: Wer sich jetzt angegriffen fühlt, hat mich falsch verstanden. Dieses Plädoyer ist eine Denkanregung. Spielt den Gedanken nur einmal durch! Ich möchte und kann niemandem vorschreiben, was er isst. Auch möchte ich niemandem sein Grundrecht auf Fleisch, wie es in Deutschland mehr oder weniger formuliert ist, absprechen. Jeder, der einmal richtig gut essen war, kennt das Glücksgefühl danach. Warum nicht einmal zuhause ausprobieren?

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