Darwin läutet das Ende der Menschheit ein

Ein Freund hat mich letztens bei einem guten Glas auf diesen doch etwas erschreckenden und zugleich interessanten Gedankengang gebracht (Thanks David!). Der geht so:

Seit Jahrtausenden gilt in der Natur das Gesetz des Stärkeren und Klügeren. Nur jene können überleben. Das hat nicht zuletzt Darwin uns gezeigt und gilt für die meisten Lebewesen nach wie vor. Nur der Mensch ist gewillt dem zu entgehen. Durch die Entwicklung der modernen Medizin und Unterstützung durch die Technik muss heutzutage kaum noch ein Mensch wegen einer Behinderung, einer Krankheit oder einfach wegen seiner mäßigen Intelligenz oder Stärke sterben (ich vereinfache hier bewusst, möchte aber keineswegs außer Acht lassen, dass die Realität leider oftmals das Gegenteil beweist). Diese Entwicklung hat dazu geführt, dass wir Darwins Gesetzt außer Kraft gesetzt haben und über Generationen hinweg, die Gene der Dummen, Schwachen und Kranken reproduzieren. Das war Beobachtung Nummer eins.

Beobachtung Nummer zwei. Sozialwissenschaftliche Studien belegen schon seit langem, dass klassenloses Leben eine Mär ist. Lebensqualität, Bildung, Gesundheit, Möglichkeiten zur Lebensgestaltung hängen nach wie vor immens vom Elternhaus ab. Hinzu kommt: das verändert sich kaum. Denn klassenübergreifende Heiraten sind äußerst selten. So bleibt jeder unter sich.

Führt man nun diese zwei Beobachtungen zusammen, lässt sich ableiten, dass sich zwar die „schlechten“ Gene weiter reproduzieren, nicht aber vermischen. Denn eine These wäre, die klassenübergreifende Heirat lässt sich analog auf ähnliche Gene übertragen. Das hieße, gesunde und intelligente Menschen neigen dazu andere gesunde und intelligente Menschen zu heiraten und Nachwuchs zu zeugen. Das bedeutet aber auch, dass die „schlechten“ Gene sich mit den anderen schlechten vermischen. Dies würde auf lange Sicht dazu führen, dass es einen Teil von Menschen gibt, die nach Darwins Lehre nur die besten Gene vereinen, und einen anderen Teil, der – salopp gesagt – die Resterampe spielt. Was geschieht mit diesen Menschen? Sind sie auf lange Sicht noch überlebensfähig? Oder werden sie auf eine Insel gesteckt? Australien vielleicht? Genug Platz und kaum eine Möglichkeit zu entkommen. Eine erschreckende Vorstellung eines menschlichen Endlagers.

Aber selbst wenn die Annahme, die guten Gene bleiben unter sich, nicht stimmt, hat das katastrophale Auswirkungen. Das bedeutet nämlich, dass wir uns kontinuierlich dem biologischen Fortschritt verweigern. Anstatt wie vorgesehen, das Beste zu vereinigen und so die Spezies weiterzuentwickeln, blieben wir auf dem Status quo. Unsere Umwelt hingegen entwickelt sich rasant weiter. Das würde uns vollständig abhängig machen von der Technologie.

Keine dieser Varianten ist besonders wünschenswert. Habe ich also einen Fehler in meinen Prämissen?

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Mona Lisa 2.0

Bücher werden auf dem Computer geschrieben, im Internet vertrieben und auf dem digitalen Lesegerät genossen. Musik wird elektronisch produziert und konsumiert. Ein Großteil der Fotos sieht nie das Gesicht der Welt auf blankem Papier. Durch Geräte wie das iPad wird Kunst digitalisiert – und zwar überall und von der Produktion bis zum Konsum. Nur eines ist bisher noch kaum denkbar: das digitale Gemälde. Die Museen sind voll berühmter Gemälde, Kunstsammler auf der ganzen Welt sind nach wie vor bereit Unsummen für diese Kunstwerke auszugeben. Doch wann wird es üblich, dass ein Gemälde am Computer produziert und am Bildschirm konsumiert wird? Wird das je geschehen? Ist das wünschenswert? Wo hört es auf, Kunst zu sein? Wird es einen Leonardo Da Vinci 2.0 geben, der ausschließlich Gemälde für die digitale Welt produziert hat und nach seinem Tod eine ähnliche Berühmtheit und Faszination erlangt? Können diese Werke überhaupt einen ähnlich tiefgründigen Effekt erzielen? Ich warte auf eure Anregungen!

Rollst du noch oder trägst du schon?

Die Welt wird rund. Egal ob Geschäftsmann in seriösem Silber, Familienvater in Bordeauxrot oder Schulkind mit Blümchenmuster – Koffer, Taschen und Rucksäcke haben sie alle: Rollen. Auf hartem Kopfsteinpflaster hört man ihr Echo schon von Weitem, auf den glatten Flughafenböden rollen sie lautlos vor sich her. Ohne sich zu beschweren, werden sie unter Schultaschen aus Kunstfaser, Tragetaschen aus Stoff und handlichen Reisekoffern aus modernen Polycarbonaten geschnallt. Den Transport erleichtern und Rücken entlasten ist ihre Aufgabe. Das Problem: wer nicht aufpasst, ruiniert sein optisches Erscheinungsbild … und in die eigenen Fersen fährt man sich auch immer.

Was also ist die elegante Alternative? Zurück in die Zeit vor den Rollen. Schaut man sich auf Bahn- und Flughäfen mal genauer um, stechen einem ab und an die eine Dame und der andere Herr ins Auge. Erst bei genauerem Hinsehen fällt auf: es ist eine Tragetasche. Ganz ohne Rollen. Voller Stolz hält er die ledernen Griffe in Händen und schreitet zielsicher voran. Er nimmt die Last auf sich, spürt die Reise förmlich in seinen Händen. Dabei schimmert die Tasche im gleichen Glanze wie die polierten Oxfords. Ab auf’s Sicherheitsband, ganze ohne lästiges Einklappen des Teleskopgriffes. Purismus. Ein Reisverschluss, ein Fach, eine Tasche. Die richtige Größe für einen Dreitagesausflug.

Wer jetzt die Szene im Kopf hat, rechte Hand Reisetasche, linke Hand Aktenkoffer, aus Eile wird gerannt, dann klingelt das Handy, völlig verschwitzt wird die Tasche fallen gelassen und zum Handy gegriffen, dem halte ich es mit George Clooneys „Up in the Air“: keine Tasche. Reisen ohne Gepäck. Wir haben schon genug Ballast dabei. Und wer für länger verreist – Paket verschicken. Viel Spaß beim Abholen von der Poststation!

Vergänglichkeit des Glanzes

Luxus. Kaum ist das Wort ausgesprochen, hat es schon polarisiert. Jeder assoziiert andere Bilder mit diesem Begriff, jeder steht diesem Begriff anders gegenüber. ‚Lux’, das Licht, spiegelt den Glanz all dessen wider, was das Wort zu umschreiben versucht. Es steht für Verschwendung und Übermaß. Manche übersetzen es mit Genusssucht. Gemeinhin wird es als Abweichung von der Norm oder das über das soziale Maß Hinausgehende bezeichnet. Da zeigt sich auch schon die Relativität dieses Begriffes. Die Auffassung wechselt dabei nicht nur von Person zu Person, sondern auch von Epoche zu Epoche. Was  Luxus für den einen, ist Alltag für den anderen. Was einst begehrenswert, wird heute verachtet. Das gilt sowohl für Dinge als auch für Verhalten.

Ist es Luxus einen Artikel über Luxus zu schreiben? Darf man sich ohne Zweifel seine Pizza auf dem Bett liegend in den Mund schieben, während auf dem einen Notebook ein Film läuft und auf dem anderen Musik geladen wird, die zwei Handys auf dem Nachttisch bereit liegen, die lederne Tasche gepackt für den nächsten Wochenendtrip, Ray-Ban, iPod, handgefertigte Kopfhörer und die gebügelten Hemden parat? Oder ist es Luxus sich einfach zwei Stunden ans Ufer zu setzen und nichts zu machen? Die Antworten werden so verschieden sein wie die Antwortenden.

Darum geht es aber auch gar nicht. Jeder Mensch braucht Luxus. Jeder Mensch hat Luxus. Seinen Luxus. Seinen eigenen, ganz persönlichen. Das Problem: zu viele rennen dem beworbenen Luxus hinterher. Der, der hinter Schaufenstervitrinen steht und so schön glänzt. Das ist nicht falsch. Es ist vergänglich. Kaum hat man sich einen zusätzlichen Luxus gegönnt, ist die Euphorie verflogen. Das nächste Teil muss her. Dabei macht der Gedanke und das Planen daran mehr Freude als der Besitz. Ein weiterer Malus: man gewöhnt sich daran. Nach nicht all zu langer Zeit braucht man diese Dinge. Das wird dann schon schwieriger.

Was dagegen hilft: Genuss und Qualität mit Luxus gleichsetzen und sich danach richten. Außerdem tut die Abstinenz von all den Dingen gut. Eine Reise kann helfen. Danach lernt man alles mehr zu schätzen. Vor allem seinen eigenen, ganz persönlichen Luxus.