Lost in Translation

Nüchterner Raum, weiße Tische, die immer gleichen türksiblauen Plastikstühle, großes Fenster am Ende des Raumes, vorne eine grüne Tafel mit weißer Kreide, der Projektor bestrahlt die heruntergelassene Leinwand, der blaue Windowshintergrund des Rechners hinterlässt ein schwaches Licht auf der hölzernen Wand. Der Raum ist Teil einer containerartigen Verschachtelung. Intelligente Bauweise nennt sich so etwas und hält die Wärme im Winter drinnen und im Sommer draußen und passt so gut in die Landschaft wie eine Palme auf dem Moseler Weinfest.

09.30 Uhr, Beginn des Sprachkurses. Anwesende: eine Spanierin, ein Franzose, eine Färingerin, eine Australierin, drei Amerikaner, drei Deutsche. Das Chaos beginnt. Das Problem: jede Nation hat ihre Last zu tragen.

Die Amerikaner lachen über die Aussprache der Australierin, können selbst jedoch nicht einmal das R korrekt aussprechen, was den Erwerb von „Churros“ erheblich erschwert. Der Franzose erkennt nicht, dass im Spanischen zu einem Großteil die gleichen Wörter verwendet werden und entscheidet einfach Französisch zu sprechen. Man wird ihn schon verstehen. Ansonsten hat er noch immer seinen einzigen französischen Freund, wie er zu sagen pflegt: sein Wörterbuch. Die Färingerin saugt eifrig die Sprache auf, lässt es jedoch gemütlich zugehen. Naja, und über die Deutschen lacht die Welt im Ausland. Die spanische Lehrerin nimmt’s gelassen und plappert fröhlich weiter.

Draußen schnattern die Enten. Ob sie wohl im Ausland verstanden werden?

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