YouTube erklärt die Welt

Die Jugend bildet sich nicht? Falsch. Lediglich die Informationskanäle haben sich geändert. Was jedoch niemand bemerkt, die Paranoia verbreitet sich leise aber stetig.

YouTube ist Bildungsfernsehen Nummer eins. Zu jedem erdenklichen Thema gibt es Fernsehausschnitte, Interviews und … animierte Videos. Diese sollen zeigen wie die Welt tatsächlich funktioniert. Eine Armada an engagierten Grafikdesignern scheint es sich zur Aufgabe gemacht zu haben, in drei- bis zehnminütigen Clips unser Geldsystem, die Politik, den Unterschied zwischen Arm und Reich sowie die Auswirkungen neuer Gesetze und Abkommen darzustellen. Jedoch geht es nicht um eine objektive Darstellung, die ohnehin nicht erreichbar ist, sondern um das Aufzeigen, wie schrecklich die Welt ist.

Niedlich animierte Strichmännchen demonstrieren, wie Geld den Besitzer wechselt, während eine seriöse Stimme aus dem Off trocken die katastrophalen Zustände beschreibt. Dies alles wird dezent und kaum wahrnehmbar von düsterer Musik begleitet. Dabei wird soweit simplifiziert, dass auch jeder halbwegs verständige Mensch die Ausmaße erkennt. So wird das Motto „Simplify your Life“ pervertiert und bis zur Unkenntlichkeit vereinfacht.

Wenn das Filmchen zu Ende gespielt ist und der Zuschauer in seiner Starre vorm Bildschirm sitzt, fordert YouTube ganz galant zum Weiterschauen einiger empfohlener Clips auf. Apathisch werden so alle Verschwörungs- und „Papi erklärt die Welt“-Videos durchgeklickt. Das subtile Empfehlen ähnlicher Videos schränkt den Blick ein und streut zugleich einen Flächenbrand. Der Share-Button und Facebook tun ihr übriges.

Nicht falsch verstehen, diese Videos sind oft sehr gut gemacht und können helfen, ein Verständnis von gewissen Abläufen in der Welt zu bekommen. Ich bin mir auch sicher, dass das Internet das wichtigste Medium für die Bildung wird. Nicht umsonst referieren Koryphäen wie Habermas auf eigenen YouTube-Kanälen und US-amerikanische Eliteuniversitäten bieten ihre Vorlesungen zum Download auf iTunes an. Nur gilt es immer die Quelle und ihre Intention zu hinterfragen. Das hat sich seit Menschengedenken und seit der Verbreitung von Informationen nicht geändert. Auch im Internet nicht. Was ist also die Intention der engagierten Videomacher? Ist es echtes Interesse an Aufklärung? Oder lediglich der Wunsch nach etwas Aufmerksamkeit? Die Beantwortung dieser Frage überlasse ich Euch.