Schmalspur Studium – Wenn das Denken bei der Realität endet

Unter schwerer Last hieven die drei Männer die weiße Holztür auf die Scharniere des Türrahmens. Flop. Die Tür sitzt. Eine Fusion. Eine schöne Analogie zur Hochschulfusion, die das Institut hinter sich hatte. Schwer und mehr schlecht als recht. Da müssen die Studenten auch schon einmal mit anpacken und den Raum herrichten. Gelernt wird in der neu bestuhlten und ehemaligen Bibliothek. Die Bücher wurden natürlich entfernt. Sie könnten den Geist ja anregen.

Ein akademischer Anspruch war vor wie nach dem Zusammenschluss der Hochschule weniger als eine Worthülse, es war ein Tabu-Wort. Das Motto „Vorsprung durch Wissen“ erinnert mehr an den Slogan eines bayerischen Automobilherstellers. Vor einer „intellektuellen Elfenbeinturm-Mentalität“ muss sich hier niemand fürchten.

Das didaktische Prinzip dieser Einrichtung: Verdummung durch Vorlesung. Entgegen jeglicher wissenschaftlicher Erkenntnis wird der Frontalunterricht zum Majorprinzip erhoben. Und weil’s so schön einfach ist, gleich den ganzen Tag praktiziert. So hat auch garantiert keiner der Lernenden die Chance sich selbstständig der Erforschung des Wissens und Frönen der Neugier zu widmen.

Wie in der Schulklasse hocken sie alle beieinander. Tag für Tag. Wie lange? Das ist genau festgelegt. Regelstudienzeit gibt es nicht, es gibt nur DIE EINE Studienzeit. Bologna strafft und kürzt zu sehr? Die Jungs und Mädels schaffen den Stoff effektiv in noch einmal der Hälfte der Zeit. Möglich? Ja. aber zu welchem Preis? Abgefragt wird per Kreuzchen. Selbst Denken ist nicht verlangt.

Das scheint ein Studium ganz im Sinne der Unternehmen zu sein. Schließlich fördern sie es. Wem das was bringt? Anscheinend hat noch niemand begriffen, dass diese Vorgehensweise nur Schaden anrichtet.

Warum studiert da überhaupt jemand? Das frag’ ich mich auch …

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