Schnäppchenjägergesellschaft

„Geiz ist geil!“ ist die neue deutsche Nationalhymne. Das Produkt zum niedrigsten Preis zu finden, ist Volkssport. Eifrig studieren die Hausmütterchen die Stapel Prospekte, die tonnenweise lieblos und nass-feucht vor den Haustüren landen. Per Handzettel geht es nun auf die Jagd. Das Waschpulver bei ALDI, Grillfleisch bei Lidl, O-Saft ist im Real im Angebot und zum Rewe geht’s auch noch, weil der Tchibo-Stand günstige Unterhosen im Regal hat. Dass die Familienkutsche die Preisersparniss durstig auffrisst, interessiert nicht. Es geht um das Gefühl. Es ist schon fast ein Lebensgefühl, eine Gemeinschaft. Im Supermarkt nickt man sich wissend zu – und rast weiter.

Das System ist jedoch schon viel komplizierter geworden. Eingekauft wird nur noch in Läden, die Payback unterstützen. Die fünffach und Hundert-Punkte-Extra Gutscheine werden wohl überlegt eingesetzt. Hinzu kommen die zahlreichen Kundenbindungsprogramme der einzelnen Unternehmen. Aus Bonuspunkten angehäufte Pfannen und Töpfe fristen in dunklen Ecken ein unwürdiges Leben. Oftmals geht es schon gar nicht mehr um den Rabatt, die Punkte selbst sind das Ziel. Wer hat die Meisten? Über die eigene Punktzahl wird ein ähnlich großes Geheimnis gemacht, wie um das eigene Gehalt. Die deutsche Bescheidenheit und Neidkultur setzt sich in der Schnäppchenjägergesellschaft fort. Man tut alles um zu sparen, nur darüber geredet, das wird nicht.

Auch Gutscheinanbieter wie Groupon boomen. Google bot dem Firmengründer 6 Mrd. Dollar zum Kauf. Er lehnte ab und plant jetzt den Börsenstart. Das Prinzip ist einfach: Restaurants, Friseure, Masseure bieten ihre Leistungen über Groupon als Gutschein an. Dabei liegt der Kaufpreis des Gutscheines häufig schon unter der Hälfte des üblichen Wertes. Vertrieben werden die Gutscheine über Groupons Webseite. Man meldet sich mit seiner Stadt an und bekommt so regionenspezifische Angebote. Vom gezahlten Kaufpreis behält Groupon die Hälfte ein. Wird ein Gutschein nicht eingelöst, behält Groupon die gesamte Summe. So werden tausende von Guscheine täglich verkauft. Die Leute sind wie verrückt danach. Nur die Unternehmen merken langsam, dass der einzige Gewinner Groupon ist. Denn sie verdienen kein Geld und bieten deshalb oft nicht den besten Service. So verlieren beide, Konsument und Dienstleister. Deswegen haben die Groupon-Vertriebler schon nach neuen Möglichkeiten gesucht. Mittlerweile gibt es alles, vom Führerschein, über die Augen-Laser-Operation bis hin zur Brustvergrößerung. Analysten haben dieses Problem schon erkannt und raten vom Kauf der Aktie ab. Die Eigentümer wollen jetzt noch das Beste rausholen und dann schleunigst das sinkende Schiff verlassen. Die nächste Blase die Platzen wird. Eine Gutschein- und Rabattblase.

Die Konsumenten juckts nicht, sie machen fröhlich weiter. Billige Importe oder Markenfälschungen werden über eBay bestellt. Das Produkt wird im Laden begutachtet. Wenn es gefällt, wird das Smartphone gezückt und die Barcode-Scanner-App zeigt den günstigsten Preis im Internet an. Möchte der Händler nicht so weit runtergehen, wird woanders gekauft. Seiten wie myHammer verramschen Handwerksleisten zum Niedrigstpreis. Die Dienstleister treiben die eigene Todesspirale voran. Urlaube in die USA stehen nicht mehr unter Kultur-, Landschafts- oder Sprachaspekten. Nein, eine ausgedehnte Shopping-Tour trifft es eher. Gedanken macht man sich darüber, wie man den Zoll am besten austricksen kann und hofft darauf, dass der Dollar möglichst schwach und der Euro stark ist. Dass dies ein enormer volkswirtschaftlicher Schaden für den Ex-Exportweltmeister Deutschland ist und somit die eigenen Arbeitsplätze gefährdet, wird gerne unter den Tisch gekehrt. So wird „das erotische Gefühl eines Schnäppchens“ pervertiert.

Diese Entwicklung beschert uns eine zunehmend offene Schere zwischen Preis und Qualität, ähnlich wie zwischen Arm und Reich. Das Gros der Konsumenten setzt auf möglichst günstige Produkte. Die Tendenz in manchen Bereichen gezielt auf Qualität einhergend mit einem hohen Preis zu setzen, nimmt aber zu. So wird es schon bald nur noch Billigprodukte oder unbezahlbare Qualitätsgüter geben. Noch ist es nicht so weit. Noch kann sich jeder zwischendurch etwas Qualität gönnen. Doch wenn wir nicht aufpassen, wird das verschwinden, ähnlich wie es für die deutsche Mittelschicht prognostiziert wird. Dann können wir nur noch wählen zwischen Fleischresten und von Hand gefütterten Kühen kommendes Steak. Leider fördert die EU diese Entwicklung. Die Verbraucher schreien schon auf, wenn die Milch drei Cent teurer wird. Die absurd niedrigen Preise werden durch milliardenschwere EU-Subventionen erkauft, die der Konsument indirekt über Steuern finanziert. So verdient der Bauer kein Geld, produziert aber so viel, dass wir die Hälfte unserer Milch nach Afrika schicken und sie trotzdem noch günstiger ist, als die lokale Produktion. Ein größeres Anti-Aufbau-Programm für Afrika gibt es nicht – abgesehen von der Kleiderspende.

Denkt das nächste Mal einfach kurz darüber nach, was Ihr in Händen haltet. Und wenn es Euch zu günstig erscheint und Ihr es Euch leisten könnt, kauft das Qualitätsprodukt. Damit tut Ihr nicht nur Euch einen Gefallen, sondern leistet einen wertvollen Beitrag zur Gesellschaft. Nutzt Eure Macht als Konsument!

Advertisements

Wenn der Wecker weiß, wann ich aufstehen muss …

  • es wird Stau geben auf dem Weg zur Arbeit
  • das Meeting am Morgen verschiebt sich nach Vorne
  • mein Wecker erhält diese Informationen und stellt sich entsprechend neu ein
  • meine Jalousien werden auch entsprechend früher hochfahren
  • die Heizung im Bad läuft sich schon einmal warm
  • Kaffeemaschine und Toaster justieren ihre Timer neu
  • der Wecker klingelt pünktlich, die Jalousien fahren hoch
  • Badezimmer und Duschwasser sind meinem Profil entsprechend schon temperiert
  • ich greife ein Hemd aus meinem Schrank und erhalte auf dem Spiegel die Empfehlung zu passender Hose, Krawatte und Jacke
  • in der Küche erwarten mich auf den Punkt geröstete Toasts und duftender Kaffee
  • mein iPad stellt mir die morgendliche Zeitung aus meinen favorisierten Zeitungen und Bereichen zusammen
  • ich entscheide mich wegen des sonnigen Morgens am Frühstückstisch für ein Cabrio
  • ich verlasse das Haus, welches sich in einen Stand-by Modus begibt, Sicherheitssysteme aktiviert und die Sonnenaufheizung zur Stromerzeugung nutzt; eine Klimaanalge brauche ich danke intelligenter Architektur nicht mehr, zudem sind alle Materialien recyclebar
  • das nächste verfügbare Cabrio steht um die Ecke
  • beim Einsteigen konfiguriert sich der Bordcomputer automatisch, stellt Sitze und Klimaanlage meinen Vorlieben entsprechend ein und läd mir meine Termine auf die Windschutzscheibe
  • das Navi startet, liest aus aktuellen Verkehrsinformationen, die aus einem Mix aus Handyortung, Kamera- und Induktionsleitsystemen besteht, und leitet mich die optimale Route; Maut bezahle ich nur für die gefahrene Strecke
  • auf der Arbeit klinke ich mein iPad an den nächsten freien Platz ein und fange an zu arbeiten
  • während der Arbeit klingelt der Postbote, ich bekomme ihn auf mein Smartphone per Video übertragen und bitte ihn, das Paket hinter die Tür zu legen, die ich ihm dafür kurzzeitig öffne
  • auf dem Rückweg möchte ich gerne noch ein Buch auf meinem iPad lesen, deswegen gebe ich das Cabrio wieder frei, suche spontant nach einer Mitfahrt zum Bahnhof und fahre dort mit dem Öffentlichen weiter; um die Bezahlung muss ich mir keine Gedanken machen, die läuft automatisch über Near Field Communications (NFC)
  • zuhause ist der Kühlschrank aufgefüllt wie immer, bestellen tut er nämlich selbstständig; morgen erwarte ich jedoch Gäste, da sag ich ihm, was ich kochen möchte und er besorgt es in der benötigten Menge; sein Inventar prüft er mittels RFID
  • meine gesamte Musik kann ich überall abspielen lassen – auf jedem Computer, Mobile Device und in jedem Raum; Festplatten gibt es nämlich bei mir keine mehr, alle Daten sind ins Netz ausgelagert; Musik und Filme bezahle ich nur auf Abruf
  • Abends gehe ich eine Runde laufen, meine Leistungswerte werden direkt an meinen Computer zuhause übermittelt, so kann ich meinen Trainingsfortschritt jederzeit überprüfen
  • die Daten kann ich mit meiner Krankenakte, die auch Online ist, verknüpfen; so kann jeder Arzt, den ich dafür freigebe, darauf zugreifen
  • Gleichzeitig kann ich alle Daten mit den Daten tausend anderer abgleichen und so meinen optimalen Trainingsplan generieren lassen
  • ich sehe einen interessanten Vogel auf dem Baum sitzen, schnell die Handykamera angemacht und den Vogel ins Visier genommen, daneben tauchen alle Informationen, die ich wissen muss, auf
  • zuhause lege ich mich entspannt in mein Bett, schließlich muss ich mich um nichts kümmern

Google überholt die Schule

Fernunis werden immer beliebter. Sie bieten die Möglichkeit bei voller Flexibilität neben dem Beruf noch zu studieren und somit seine Karrierechancen zu verbessern. Als Preis wird immer die VERSCHULUNG des Studiums angeführt. Was bedeutet das? Sie macht genau dasselbe wie eine Schule. Sie vermittelt WISSEN. Ein festgelegter und strikt getakteter Plan sieht vor, was und wie es gelernt werden soll. Der Wissensempfänger lernt die ihm vorgelegten Sachen und setzt seine Kreuzchen anschließend in den Wissensabfragungen, auch bekannt als Klausuren. Mit diesem Wissen stiefelt der nun stolze (Hoch-)Schulabgänger in die weite Welt hinaus und fühlt sich überlegen oder zumindest bereit. Was er nicht weiß, jeder kann binnen einer Stunde mehr Wissen sammeln, als er kennt. Wie das geht? Mit Google.

Frage ich den Banker nach einem speziellen Anlageprodukt, über das ich mich zuvor im Internet informiert habe, wird er es mir gleichtun müssen. Frage ich den Rechtsanwalt zu einem bestimmten Sachverhalt, weiß ich vermutlich schon mehr und kenne mehr Präzedenzfälle als er. Frage ich den Arzt, kenne ich anhand meiner Symptone schon drei mögliche Ursachen.

WOZU muss ich mir dann noch WISSEN aneignen?

Die Frage ist berechtigt. Ist es nicht viel wichtiger, zu lernen, wie ich mir Wissen aneignen kann? Zu lernen, sich selbstständig Gedanken zu machen? Soziale Kompetenzen zu erwerben?

Alle banalen Service-Berufe werden verschwinden. Zukünftig werden wir nur noch Spezialärzte, Spezialanwälte vorfinden. Der Rest kann aus der Ferne oder automatisch mithilfe von intelligenter Software und einer Fülle an Daten erledigt werden.

Dies ist nur ein erster Anstoß und es werden weitere Artikel zu diesem Thema folgen.

Mein Plädoyer: Mehr Freiräume fürs Denken!

 

Prof. Gunter Dueck hat mich übrigens auf diese Gedanken gebracht. Ich kann seine Internetpräsenz (http://omnisophie.com/) nur empfehlen!

Das Thema behandelt er auch in diesem recht amüsanten Vortrag. (http://www.youtube.com/user/Wilddueck#p/c/C627FAAC6ABCD228/0/woA4R3KrACg)