Geschichte vom armen Fischer und erfolgreichen Unternehmer – oder warum wir mit Arbeit unsere Zeit verschwenden

Ein nette Geschichte, die das Arbeitsparadox oder, wie es Betrand Russell genannt hat, das ‚protestantische Arbeitsethos‘ veranschaulicht. Entnommen aus dem wunderbaren Werk „Beschleunigung. Die Veränderungen der Zeitstrukturen in der Moderne“ von Prof. Hartmut Rosa.

„In einer abgeschiedenen ländlichen Gegend Südeuropas sitzt ein Fischer am flachen Meerestrand und angelt mit einer alten, herkömmlichen Angelrute. Ein reicher Unternehmer, der sich einen einsamen Urlaub am Meer gönnt, kommt auf einem Spaziergang vorbei, beobachtet den Fischer eine Weile, schüttelt den Kopf und spricht ihn an. Warum er hier angle, fragt er ihn. Draußen, auf den felsigen Klippen könne er seine Ausbeute doch gewiss verdoppeln. Der Fischer blickt ihn verwundert an. ‚Wozu?‘, fragt er verständnislos. Na, die zusätzlichen Fische könne er doch am Markt in der nächsten Stadt verkaufen und sich von den Einnahmen eine neue Fiberglasangel und den hoch effektiven Spezialköder leisten. Damit ließe sich seine Tagesmenge an gefangenem Fisch mühelos noch einmal verdoppeln. ‚Und dann?‘, fragt der Fischer, weiterhin verständnislos. Dann, entgegnet der ungeduldig werdende Unternehmer, könne er sich bald ein Boot kaufen, hinausfahren ins tiefe Wasser und das Zehnfache an Fischen fangen, sodass er in kurzer Zeit reich genug sein werde, sich einen modernen Hochseetrawler zu leisten! Der Unternehmer strahlt, begeistert von seiner Vision. ‚Ja‘, sagt der Fischer, ‚und was tue ich dann?‘ Dann, schwärmt der Unternehmer, werde er bald den Fischfang an der ganzen Küste beherrschen, dann könne er eine ganze Fischfangflotte für sich arbeiten lassen. ‚Aha‘, entgegnet der Fischer, ‚und was tue ich, wenn sie für mich arbeiten?‘ Na, dann könne er sich den ganzen Tag lang an den flachen Strand setzen, die Sonne genießen und angeln. ‚Ja‘, sagt der Fischer, ‚das tue ich jetzt auch schon.‘

Natürlich ist diese Geschichte sehr naiv und die Anfangs- und Endsituation sind nur vordergründig identisch. Jedoch stellt sich schon die Frage, ob unsere täglichen Mühen nicht letztlich vergebens sind. Wieso müssen wir immer mehr Fische fangen? Werden denn auch immer mehr Fische gegessen?

Advertisements

Tragischer Terrorist

Um eins vorneweg klarzustellen: Ich möchte mich weder über die Krankheit amüsieren, noch ist es meine Absicht, Betroffene verletzen zu wollen. Aber es gibt einige tragisch-komische Momente in dieser Geschichte, die es wert sind, aufgegriffen zu werden.

Der Protagonist: Enterohämorrhagische Escherichia coli, kurz EHEC.

Deutschland ist in Aufruhr. Oder sollte ich besser sagen, Deutschlands Brigitte-Leserinnen sind in Aufruhr? Rohkost ist ab sofort ein kontaminiertes Gut. Eine Katastrophe für jeden Diät-Willigen. Das Universalmittel für schlanke und gesunde Körper beherbergt möglicherweise tödliche Keime! Experten raten zur gänzlichen Vermeidung von Gurken, Salat, Tomaten und Sprossen. Nur bei 70 Grad für zwei Minuten gekochtes Gemüse und Salat sei sicher. Na dann, guten Appetit! Der neue insalata calda.

Besonders erschreckend dabei ist, dass vor allem Frauen betroffen sind. Das ist darauf zurückzuführen, dass Frauen tendenziell mehr Kochen als Männer und somit öfter mit rohem Gemüse und Salat in Kontakt kommen. Ein besseres Argument könnten sich Frauenrechtlerinnen doch gar nicht wünschen. Jetzt ist es sogar ungesund am Herd zu stehen. Also bei soviel Ungerechtigkeit …

Nun wird der Erreger sogar persönlich und greift des Deutschen liebsten Schatz an, den Föderalismus. Wissenschaftler und Politiker treten unkoordiniert in der Öffentlichkeit auf und tragen so zur allgemeinen Unsicherheit bei. Erst sind die Gurken aus Spanien schuld, dann Sprossen aus Bienenbüttel. Der Betrieb in Bienenbüttel wurde vorerst geschlossen. Spanische Betriebe hingegen drohten nun, nachdem der Verdacht nicht nachgewiesen werde konnte, mit Schadensersatzklagen. Merkel plant als Versöhnung einen pro spanische Gurken-Spot. Na das wird ein Spaß!

Ohnehin wird momentan jeder und jedes beschuldigt, was nicht bei drei auf den Bäumen ist. Rind soll nun auch Träger des Keims sein, wohl eine Racheakt verärgerter Gemüsebauern. Genauso wie es als Witz deprimierter Atom-Lobbyisten erscheint, wenn nun das Produkt einer regenerativen Biogasanlage am Tod zahlreicher Menschen schuld sein soll.

Der Erreger muss total verwirrt sein. Jeder erzählt etwas anderes über ihn und seine Herkunft. Eine Meldepflicht gibt es auch noch. Ob er sich bei der Einreise wohl auch zu erkennen gegeben hat? Verschwörungstheoretiker gehen ohnehin von einem terroristischen Anschlag aus. Das muss man sich einmal vorstellen! Bärtige Menschen sitzen an Gurkenfeldern und über Gülle-Silos und träufeln tödliche Keime hinein. Das erinnert doch stark an die absolut sehenswerte Komödie Four Lions, die aktuell im Kino zu bestaunen ist.

Naja, vermutlich lässt sich die Herkunft des Erregers nicht mehr feststellen, so sagen Experten. Es hat zu lange gedauert. Wir haben ihn wohl vergrault …

Hallo Welt!

So steht es unter jedem neu erstellten Blog. „Hallo Welt!“ rufen alle Blogger unfreiwillig hinaus und trotz dieser großen Ansprache hört niemand zu. Ein Witz der Seitenbetreiber? Schon möglich. Nun da rufe ich lieber „Hallo Interessierte!“, auch in der Gefahr niemanden anzusprechen.

Dies ist mein Beitrag zur allgemeinen Reizüberflutung und Informationsbeschleunigung. Es soll aber ein Raum der Entschleunigung sein, des Nachdenkens und Sinnierens. Denn nur Raum schafft Platz für Gedanken. Deswegen lade ich Dich ein, mein de me zu lesen. Dann weißt Du, ob Du hier richtig bist.

Wenn ja, herzlich willkommen. Ansonsten wünsche ich Dir noch viel Spaß auf Deiner weiteren Suche. Ich hoffe, hier einen Platz des dynamischen Austausches zu etablieren. Mit dieser Information soll es vorerst genug sein, schließlich will ich Dir den versprochenen Platz geben. Die ersten Themen sitzen schon im Wartezimmer und ich werde sie demnächst hereinbitten. Dann würde ich mich freuen, Dich dabei zu haben!

Bis dahin: Salve!